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Archive für 14.2.2008
Lösung des Kernes vom Fleische oder des Fleisches vom Kerne?
14.2.2008 von Norbert Schmitt.
Optija, seiner Auffassung nach ein echter Künstler der Gegenwartsmalerei, lernte ich vor einem Jahr bei einer Vernissage kennen, ich kannte ihn zwar schon vorher, weil er schon des öfteren auf Ausstellungen hier in der Umgebung aufgekreuzt war, jedoch kennen gelernt hatte ich ihn erst jetzt.
In seinem bleichen Gesichte und Leibe schien kein Blut zu fliessen. Alles bei ihm war so reinlich hygienisch, dass sogar die Fransen der Teppiche gekämmt dalagen wie Spagetthi auf einem Gemälde Warholes.
Eine innere Wandlung schien sich in mir vollzogen zu haben, denn, gerade rechtzeitig, erschien Walpurga auf meiner Projektionsfläche. Sie sah phantastisch aus, ganz anders als das letzte mal, als sie noch auf Rohkost stand und fast nie
etwas zu sich nahm. Sie hatte ein volles Gesicht und schulterlanges Haar, einen athletischen Körperbau und war in einen riesigen Cashmeremantel eingehüllt. Leider verstand sie nie, dass ich sie liebte - und das auf den ersten Blick - aber wie sollte sie auch, da ich jede, mir sich bietende Gelegenheit, wirklich nahezu alles was mir entgegentrat, jedwede Kleinigkeit dazu benutzte, ihr zu zeigen, dass ich sie für mein Leben völligst entbehrlich fand. Es ging mir doch prächtig, mir und meinem Leben, also wozu in aller Welt die Dinge komplizieren? Andererseits hinterließ sie jedes Mal, wenn sie mich verließ einen Menschen, der sich langsam in einen Abgrund - in ein eigentümliches Vakuum - des sich selbst Verlierens, hinabgezogen fühlte…
Ich, sonst mit jedweder Situation, ob glücklich oder unglücklich, spielerisch umgehend, konnte mich plötzlich nicht einmal mehr mit mir selbst beschäftigen, was sonst mein liebster Zeitvertreib gewesen. Dies ließ mir nun schmerzlich bewusst werden, dass in dieser Situation etwas teilhaftig war, dass sich der Kontrolle durch meinen Willen einfach entzog.
Es dauerte Wochen an, bis ich in der Lage war sie aus meinem Bewusstsein zu verdrängen, Monate, sie zu vergessen. Nach Jahren hing die Erinnerung noch über meinem Haupte, um sich in jeder Minute der wirklichen Muße wie ein Vampir auf mich zu stürzen, mir meine kreativen Kräfte raubend, sich davon nährend.
Verschiedene GeSchichten zu haben bedeutet eben das Gegenteil von Oberflächlichkeit. Oberfläche hat eben nur eine Schicht. Geschichtet ist jedoch die Zeit, der Anfang - das Ende - Erde geschichtet bringt uns unserer Wirklichkeit näher. Sagen wir, es sei eine Eigenart des Menschen, immer das zu wollen, was er zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht hat. Wie sollte man mich jetzt anders bezeichnen als eine aus den Angeln genommene Tür ? Vergleiche ich diese Situation mit dem entstehen einer Plastik, denn dort kann man nämlich Jahre lang vor einem Stück Ton, Holz oder Stein sitzen, wenn man die Notwendigkeit nicht erkennt, dass nur die Möglichkeit besteht, dieses Material zu verändern und zu einem vollendeten Kunstwerk zu verwandeln, wenn man in das Gegebene eingreift und mit dem Willen auf dem Amboß der Materie sein gestalterisches Gefühl walten lässt.
Wie bei allen großen und kleinen Dingen des Lebens dauert es seine ihm eigene Zeit und erfordert große Anstrengung ein einmal Gedachtes, obwohl diesem schon der Begriff Wirklichkeit gebührt, Wirklichkeit werden zu lassen. Selbst nach der Umsetzung desselben, erfordert es ständige Anstrengungen, nicht wieder, durch die ständigen Reibungen des Lebens, auf der einmal betretenen Ebene auszugleiten.
Äußere Umstände sind zumeist gänzlich irrelevant für die innere Verfassung des Menschen, letztendlich bildet er sein Umfeld selbst. Innerliche Anstrengung, nicht als bloße Idee, sondern als Pragmatisches - die Einstellung zu den Gegebenheiten macht alles aus. Atmen im Denken, bedeuted also nichts anderes als eine fortwährende Verwandlung unserer Begriffe, dass sie, wie der Rest unserer Natur, einer stetigen Evolution unterworfen sind.
Der Wert wird hierbei nicht auf die Menge an Information gelegt, sondern auf eine hauptsächlich innere Transformation des schon Gegebenen. Also die Neurotransmitter heiß laufen - Aus dem Leben ein Kunstwerk machen, welches sich immer mehr und mehr entfaltet, im Bereich zwischen Actio und Reactio.
Die Substanz ist der Bildner der Geschöpflichkeit.
Die Geschöpflichkeit ist in stetiger Entwicklung.
Der Bildner ist der Schöpfer des Prozesses, den wir Leben nennen.
Und wie der Bildhauer schafft die Substanz, um sich selbst zu spiegeln, weiterzuentwickeln, zu vervollkommnen. Und Letztendlich, um ihr Werk zu genießen, denn durch seine Schöpfung kommt der Bildner zu sich selbst.
Wie Thomas von Aquin der sagte, dass er nichts Neues geschaffen, sondern nur das Alte in neue Worte gefasst habe, ist das Wesentliche, die wirkliche Substanz dieses Lebens, die sich durch die Jahrtausende nicht im Kerne geändert hat, sondern sich nur deren Form einer fortdauernden Veränderung unterworfen hat.
Man könnte es als einen Gipfel der Entwickelung betrachten, dass eine in sich logische Natur - und das ganze Universum ist Natur - als seinen momentanen physischen Höhepunkt (Zumindest ist uns kein anderer erfahrbar physisch begegnet) ein Wesen geschaffen hat, das über sich selbst und über das ihn selbst geschaffene System, ebenfalls logisch, reflektieren kann. Durch den Menschen betrachtet die Evolution sich selbst.
Wahnsinn, oder sanfter : sich wähnen in der Realität zu leben, bedeuted hingegen nur in der eigenen Vor-Stellung zu existieren und diese ‘Meinung’ als allgemein gültige Wahrheit anzusehen, darüber hinaus von anderen zu erwarten dies auch zu tun. Normalerweise bringt auch der Wähnende selbst, seine sich so selbst maßgeschneiderten Glaubenspostulate nicht in die Tat, denn Wahrscheinlich scheut er sich ent-täuscht zu werden, nämlich durch die unbewusste Angst sie könnten zerplatzen und an deren Stelle eine Wirklichkeit treten, die von ihm verlangen könnte sich zu wandeln.
Denn, bin ich mir nicht voll und ganz über Impuls und Intention einer Handlung (Der Begriff Handlung umfasst auch Denken, Fühlen und Wollen) bewusst, also setze ich nicht jede kleine Handlung aus freier Selbstbestimmung und unter Zuhilfenahme jeglicher Erfahrung und Kenntnis, und übernehme ich nicht die volle Verantwortung für mein Tun, Affekte oder Verhaltensmuster, emotionaler oder intellektueller Art…
-Ich erwachte aus meinem Tagträumen, denn der Schaffner kündigte die Endhaltestelle an. Stehengeblieben, Sackgasse……………..ich musste an Kafka denken. Hatte er recht?
Wollte mir mein Traum etwas zuraunen? Ich machte meine Augen zu und träumte………….träumte von Glück und Verheissung…………………bis…………bis der äussere Chauffeur mich veranlasste, meinen warmgesessenen Platz zu verlassen, um nun meiner Wege zu ziehen.
Wo wollte ich noch gleich hin???
Ach ja…….zu Optija.
Geschrieben in EPISCHE eSSAYS; sHORTsTORIES & EINfachHEITen | Drucken | Keine Kommentare »