- Norbert Schmitt - TExTE eines Malers - http://atelier.norbertschmitt.eu -
- Zusammendenken der Vereinzelung - Text von Norbert Schmitt
Dieser Eintrag stammt von Norbert Schmitt Am 24.8.2011 @ 23:01 In EPISCHE eSSAYS; sHORTsTORIES & EINfachHEITen | Kommentarfunktion deaktiviert
>Wahrnehmungsüberflutung als trennendes Mittel, die Reflektionen zu vereinzeln<
Die rudimentärsten Grundgedanken fehlten Josef, um sich ein klareres Bild von Clara zu machen, denn Clara erschien nicht nur ihm, ein wenig abgehoben - besser gesagt ein klitzekleines Wenig überzogen, sondern jedem, der ihr begegnete. Manch Einer liebte sie ohne sie zu kennen, andere verabscheuten ihre einschüchternde GegenWart. In der Realität begab es sich jedoch so, dass diese schillernde anmutige Clara, sich überhaupt keine Gedanken über ihre Wirkung bei anderen machte. Es gar nicht konnte, denn Clara hatte zu tun - viel zu tun. Sie musste ein Kunstwerk gestalten, nicht irgendeines, sondern sich selbst - ganz von innen heraus - ganz sie selbst wollte sie werden.
Sie wusste nicht viel, abgesehen davon, dass sie alles las und gelesen hatte, was die IstKultur so herausgab an konservierten Buchstabenreihen - über die Jahrhunderte und Jahrtausende. Also insgesamt eher Instantwissen
aus zweiter Hand. Was sie selber wusste, war, dass sie mit Sicherheit um einiges grösser war und ist als sie selbst wahrnahm. Besser noch, sie fühlte, dass in ihr Kräfte und Eigenschaften ruhten, die sich manchesmal in blinder Eruption aus ihr heraus stahlen - hier und da waren diese Eruptionen zerstörerisch - manchesmal auch ein grosses Wenig beleidigend ohne es zu wollen. Die Schöpferkraft bog sich Bahn und war nicht zu stoppen…höchstens zu pervertieren durch unklares Umgehen mit sich selbst. Schleifen wollte sie - Schleifen, Schleifen, Schleifen -, um den Diamanten (wer sagt eigentlich, dass Diamanten die schönsten Mineralisierungen von molekularisierten Atomen sind?) zu beschleifen, der in ihrem Zentrum liegen muss ——- überschüttet und befrachtet, zugetüncht von den Schlacken und Traditionen einer abgelebten Zeit.
Einschüchtern wollte sie nicht Einen, geliebt werden auch nicht. Sie wollte lieben, bzw. auch das trifft es nicht, sie tat es namentlich einfach, und zwar alles und jeden - ohne es zu bemerken. Jeden Stein betrachtete sie mit Ehrfurcht, ob des Wunders seiner Erschaffung. Jeder Mensch, jedes Tier hatte für sie einen grossen Facettenreichtum, den sie in sich einsog, wie andere gefärbt-verzuckerte Brausen. Sie wusste nun ganz aus ihrer Wurzelkraft: Sie selbst konnte nur Kunst schaffen, wenn sie selbst zum Kunstwerk wurde. Was war also Kunst?
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